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🎧 300€ vs 70€ In-Ears Wie viel Klang bekommt man wirklich für sein Geld?

Wer heute nach In-Ears sucht, landet schnell in zwei völlig verschiedenen Welten. Auf der einen Seite stehen ehrliche Alltagsmodelle für rund 70 Euro. Auf der anderen Seite warten Geräte, die fast 300 Euro kosten und mit Begriffen wie aptX Lossless, adaptivem ANC oder Smart Charging Case um sich werfen. Klingt beeindruckend. Aber klingt es auch wirklich besser?

Genau das wollten wir wissen. Also haben wir vier Modelle direkt gegeneinander gehört, immer mit den gleichen Songs, der gleichen Lautstärke und vor allem im direkten Wechsel. Kein stundenlanges Einhören auf nur einen Hörer, kein Schönreden durch Gewöhnung, sondern ein Vergleich, bei dem Unterschiede sofort auffallen — oder eben nicht.

Im Test dabei: der Sennheiser Momentum True Wireless 4, die Teufel AIRY TWS Pro, die JBL Live Flex 3 und die Sennheiser ACCENTUM Open. Vier Modelle, vier Philosophien und am Ende auch vier ziemlich unterschiedliche Antworten auf die Frage, was im Alltag wirklich zählt.

Sennheiser Momentum True Wireless 4: Der Feingeist im Test

Der Sennheiser Momentum True Wireless 4 ist ganz klar das High-End-Modell in diesem Vergleich. Schon auf dem Datenblatt zeigt sich, wohin die Reise geht: Bluetooth 5.4, adaptive Geräuschunterdrückung, aptX Adaptive, aptX Lossless, LE Audio und Auracast-Unterstützung. Dazu kommen vier Ohradapter-Größen und zusätzliche Ear Fins für den Sitz. Sennheiser packt hier also nicht einfach nur guten Klang in ein hübsches Gehäuse, sondern ein ziemlich komplettes Technikpaket.

Und genau so klingt der Momentum auch. Er will dich nicht mit künstlichem Wumms beeindrucken. Er will sauber klingen. Kontrolliert. Erwachsen. Wer einen Hörer sucht, der sofort mit übertriebenem Bass den ersten „Wow“-Moment erzeugt, wird hier vielleicht im ersten Augenblick sogar enttäuscht sein. Der Momentum ist nicht spektakulär abgestimmt, sondern präzise. Und genau das ist seine Stärke.

Bei akustischen Songs, Klassik, Jazz oder allgemein komplexeren Produktionen merkt man sofort, dass hier mehr Raum im Klangbild vorhanden ist. Instrumente stehen klarer voneinander getrennt, Stimmen wirken natürlicher und die Musik bekommt mehr Luft. Der Bass ist nicht schwach, aber er ist kontrollierter als bei den anderen Kandidaten. Er drückt nicht blind drauf, sondern bleibt sauber im Mix. Genau deshalb wirkt er bei Hip-Hop oder EDM im ersten Moment manchmal weniger brutal als der Teufel. Wer aber genauer hinhört, merkt schnell: Hier fehlt nichts, hier wird nur weniger künstlich betont.

Auch das ANC gehört zu den stärksten im Test. Sennheiser bewirbt eine adaptive Geräuschunterdrückung, die sich automatisch an die Umgebung anpasst, und genau das spürt man im Alltag auch. Bahnfahrten werden deutlich ruhiger, tiefe Störgeräusche verschwinden zuverlässig und auch Windgeräusche hat der Momentum erstaunlich gut im Griff. Ganz still wird die Welt natürlich nicht, aber sehr angenehm leise schon.

Beim Komfort zeigt sich allerdings auch die Kehrseite des vielen Technik-Innenlebens. Die Hörer sitzen sicher, gerade weil mehrere Silikonaufsätze und Ear Fins beiliegen, aber sie sind nicht winzig. Wer kleinere Ohren oder empfindliche Gehörgänge hat, wird sie nach längerer Zeit eher spüren als etwa die offenen JBL oder Accentum Open. Dazu kommt immerhin eine ordentliche Wettertauglichkeit, denn der Momentum True Wireless 4 ist nach IP54 gegen Staub und Spritzwasser geschützt.

StarMag-Wertung:
Klang: 9,2 / 10
ANC: 8,9 / 10
Technik: 9,3 / 10
Komfort: 8,2 / 10
Gesamt: 8,7 / 10

StarMag-Fazit:
Der Sennheiser Momentum True Wireless 4 ist kein Bass-Monster, sondern ein sauberer, kontrollierter High-End-Hörer. Wenn du Wert auf Details und Technik legst, bekommst du hier eines der komplettesten Pakete im Test.

Teufel AIRY TWS Pro: Der Spaßmacher mit Druck

Die Teufel AIRY TWS Pro gehen hörbar in eine andere Richtung. Auch technisch sind sie nicht schlecht aufgestellt: Teufel nennt auf der offiziellen Produktseite adaptives, hybrides ANC, Transparenzmodus, Bluetooth 5.2 und Qualcomm aptX Adaptive. Damit sind sie klar moderner unterwegs, als es der Preis zunächst vermuten lässt.

Der entscheidende Unterschied zeigt sich aber sofort im Klang. Während der Momentum eher auf Präzision und Kontrolle setzt, wollen die AIRY TWS Pro Spaß machen. Der Bass ist deutlich präsenter, direkter und körperlicher. Gerade bei Pop, Hip-Hop, Rock oder EDM haben die Teufel sofort diesen Effekt von „mehr los“. Nicht unbedingt realistischer, nicht unbedingt feiner — aber emotionaler. Und das ist im Alltag für viele Hörer eben genau der Punkt.

Die Abstimmung wirkt insgesamt wärmer. Höhen bleiben klar genug, die Mitten sind ordentlich, aber der Schwerpunkt liegt hörbar auf Energie und Punch. Das macht die AIRY TWS Pro zu so einem typischen Modell, bei dem man nicht lange darüber nachdenkt, ob die Hi-Hat jetzt noch einen Tick feiner aufgelöst sein könnte. Man hört einfach Musik und hat Spaß daran.

Das hybride ANC funktioniert im Alltag ordentlich. Tiefe, gleichmäßige Geräusche wie Bus, Bahn oder Supermarktbrummen werden gut reduziert. Bei Stimmen oder sehr unruhigen Umgebungsgeräuschen merkt man allerdings, dass noch Luft nach oben bleibt. Genau hier setzt sich der Momentum etwas klarer ab. Trotzdem: Für die Preisklasse ist das, was Teufel hier liefert, absolut stark.

Beim Komfort sind die AIRY TWS Pro ebenfalls überzeugend. Sie sitzen tiefer im Ohr als die offenen Modelle und dichten dadurch passiv schon besser ab. Gleichzeitig wirken sie im Alltag angenehm und langzeittauglich. Für Sport, Pendeln oder längere Sessions am Rechner sind sie deshalb ziemlich dankbar. Die Ausrichtung ist klar: alltagstauglich, bassstark, unkompliziert.

Und genau deshalb wirken die Teufel am Ende wie eines der ehrlichsten Pakete im Test. Sie wollen nicht alles perfekt können, aber sie können sehr viel ziemlich gut.

StarMag-Wertung:
Klang: 8,6 / 10
ANC: 8,0 / 10
Technik: 8,3 / 10
Komfort: 8,6 / 10
Gesamt: 8,5 / 10

StarMag-Fazit:
Die Teufel AIRY TWS Pro setzen klar auf Spaß statt Analyse und liefern spürbar mehr Bass als viele Konkurrenten. Für den Alltag bekommst du hier ein starkes Gesamtpaket mit viel Sound fürs Geld.

JBL Live Flex 3: Komfort zuerst, Sound danach

Die JBL Live Flex 3 sind im Test vielleicht das spannendste Modell, weil sie ganz bewusst ein anderes Nutzungsszenario anvisieren. JBL setzt hier auf ein offenes Design, nennt also keine klassischen tief sitzenden In-Ears mit Silikonabschluss, sondern ein Open-Stick-Konzept. Gleichzeitig gibt es Features wie Hi-Res Audio Wireless, True Adaptive Noise Cancelling, Multipoint, sechs Mikrofone, kabelloses Laden und das auffällige Smart Charging Case mit 1,45-Zoll-Touchdisplay. JBL spricht außerdem von bis zu 50 Stunden Gesamtwiedergabezeit.

Und genau dieses Smart Charging Case ist im Alltag tatsächlich mehr als nur Show. Akkustände, Steuerung und ein schneller Blick aufs Gerät funktionieren direkt über das Case, ohne dass man jedes Mal das Smartphone zücken muss. Das ist nicht für jeden kaufentscheidend, aber es ist praktisch und sorgt für einen echten Wiedererkennungswert.

Klanglich muss man bei den JBL allerdings verstehen, worauf man sich einlässt. Durch das offene Design fehlt die vollständige Abdichtung im Ohr, die bei klassischen In-Ears viel zum Bassdruck beiträgt. Dadurch wirken die Live Flex 3 automatisch luftiger, offener und weniger druckvoll. Der Sound ist nicht schlecht, aber anders. Der Bass ist vorhanden, schiebt aber nicht so wie bei den Teufel. Und auch die Detaildarstellung bleibt hinter dem Momentum zurück, sobald Umgebungsgeräusche dazukommen.

Das ist der Preis für den Komfort. Denn genau darin sind die JBL stark. Kein Druck im Gehörgang, kein festes Abdichten, kein klassisches „Ich muss die Dinger nach einer Stunde mal rausnehmen“. Wer normale In-Ears nicht mag oder empfindliche Ohren hat, fühlt sich hier oft sofort wohler. Und das ist im Alltag mehr wert, als viele Datenblätter vermuten lassen.

Das ANC ist vorhanden, stößt durch das offene Konzept aber logischerweise an physikalische Grenzen. JBL nennt True Adaptive Noise Cancelling, aber echte Abschottung wie beim Momentum darf man hier nicht erwarten. Es glättet Umgebungsgeräusche, ja. Aber es zaubert keine stille Kapsel um dich herum.

StarMag-Wertung:
Klang: 7,7 / 10
ANC: 6,9 / 10
Technik: 8,9 / 10
Komfort: 8,9 / 10
Gesamt: 8,3 / 10

StarMag-Fazit:
Die JBL Live Flex 3 setzen voll auf Komfort und ein offenes Tragegefühl statt maximalem Klangdruck. Wenn du keine klassischen In-Ears magst und einfach entspannt hören willst, ist das hier eine der angenehmsten Lösungen im Test.

Sennheiser ACCENTUM Open: Der ehrliche Einstieg

Die Sennheiser ACCENTUM Open sind im Vergleich der Gegenpol zum Momentum. Offenes Design, leichte Bauform, 28 Stunden Gesamtakkulaufzeit und IPX4-Spritzwasserschutz — dazu eine klare Positionierung als unkomplizierter Alltagsbegleiter ohne großen Technik-Zirkus. Sennheiser selbst betont hier vor allem den offenen Sitz, hohen Komfort und das Mitbekommen der Umgebung. Außerdem wird offen gesagt: kein ANC.

Und genau das spürt man auch. Die ACCENTUM Open wollen nicht High-End sein. Sie wollen leicht sein, unkompliziert und im Alltag nicht nerven. Der Klang ist solide, aber einfacher. Weniger Raum, weniger Brillanz, weniger Tiefe als beim Momentum. Auch im Vergleich zum Teufel fehlt natürlich Punch und Bassdruck. Trotzdem: Für Podcasts, YouTube, entspannte Playlists oder einfach Nebenbei-Musik reicht das absolut.

Der große Vorteil ist der Komfort. Die Hörer sind leicht, luftig und unauffällig. Wer keine komplette Abschottung möchte, sondern im Straßenverkehr oder im Büro bewusst noch etwas von der Umwelt mitbekommen will, bekommt hier sogar einen echten Vorteil statt eines Nachteils. Das ist nicht spektakulär — aber sehr alltagstauglich.

Technisch gibt es keinen Luxus. Kein ANC, keine High-End-Codecs, keine große Spielerei. Aber dafür eben ein ehrliches Produkt, das genau das liefert, was es verspricht.

StarMag-Wertung:
Klang: 7,4 / 10
Technik: 7,4 / 10
Komfort: 8,9 / 10
Preis-Leistung: 8,5 / 10
Gesamt: 7,1 / 10

StarMag-Fazit:
Die Sennheiser ACCENTUM Open sind einfache, leichte Alltagskopfhörer ohne viel Schnickschnack. Wenn du günstig hören willst und deine Umgebung noch mitbekommen möchtest, passt das hier gut.

Das große StarMag-Gesamtfazit

Die spannende Erkenntnis aus diesem Test ist eigentlich nicht, dass der teuerste Hörer am besten klingt. Das war zu erwarten. Spannend ist vielmehr, wie unterschiedlich „besser“ am Ende definiert wird.

Der Sennheiser Momentum True Wireless 4 ist technisch und klanglich das kompletteste Modell im Test. Wer Wert auf Präzision, Feinzeichnung und moderne Features legt, bekommt hier genau das. Der Teufel AIRY TWS Pro ist dafür emotionaler, bassiger und für viele Musikrichtungen im Alltag sogar der spaßigere Hörer. Die JBL Live Flex 3 holen sich den Komfort-Sieg und zeigen, dass ein offenes Design plus Smart Case im Alltag extrem angenehm sein kann. Und die Sennheiser ACCENTUM Open beweisen, dass 70 Euro heute längst nicht mehr automatisch „billig und schlecht“ bedeuten.

Unterm Strich geht es deshalb nicht nur um besser oder schlechter. Es geht um Prioritäten.

Willst du maximale Klangtiefe? Dann Momentum.
Willst du Druck und Spaß fürs Geld? Dann Teufel.
Willst du Komfort und offene Bauweise? Dann JBL.
Willst du günstig, leicht und unkompliziert? Dann Accentum.

Und genau deshalb ist dieser Vergleich am Ende auch so interessant: Man hört den Preis — aber nicht immer so, wie man denkt.

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